Alle zwei Jahre gibt es einen Termin, den ich mir fest im Kalender blockiere: die Interzoo in Nürnberg. Die weltweit größte Fachmesse für Heimtierbedarf ist für mich kein optionaler Ausflug — sie ist Pflichtprogramm. Als Regionalleiter im Zoofachhandel ist sie der Moment, in dem man den Finger an den Puls der gesamten Branche legt.
Die Interzoo 2026, die vom 12. bis 15. Mai stattfand, war die bislang größte und internationalste ihrer Geschichte — mit rund 2.400 Ausstellern aus rund 70 Ländern und etwa 39.000 Fachbesuchern aus über 130 Ländern. Zahlen, die beeindrucken. Aber noch beeindruckender war, was sich inhaltlich gezeigt hat.

Warum ich jedes Mal wieder hinfahre
Ich war dieses Jahr sowohl beruflich als auch als Besucher vor Ort — und genau diese Doppelperspektive macht den Unterschied. Einerseits die Gespräche mit unseren Lieferanten, neue Produkte anfassen, Konditionen besprechen, Sortimentsentscheidungen vorbereiten. Andererseits der offene Blick: Was tut sich am Markt? Welche Marken gewinnen an Sichtbarkeit? Welche Trends kommen gerade erst auf — und welche sind schon wieder vorbei?
Kein Branchenmagazin, kein Newsletter und kein Webinar ersetzt diesen direkten Erfahrungsaustausch. Das ist das Kapital der Interzoo — und warum ich sie für unverzichtbar halte.
Was mich 2026 besonders beschäftigt hat
Alternative Produkte und neue Marken
Der Markt wird breiter. Neben den etablierten Platzhirschen drängen immer mehr Nischenanbieter und internationale Newcomer ins Regal — mit spannenden Konzepten, oft mit klarerem Fokus auf eine bestimmte Tierart oder Haltungsform. Sowohl bekannte Marken als auch Newcomer zeigten Produkte mit Zutaten aus neuen tierischen und pflanzlichen Quellen — darunter alternative Proteinquellen, die den Markt nachhaltig verändern könnten.
Für uns im Fachhandel bedeutet das: Sortimentsentscheidungen werden komplexer. Die Frage ist nicht mehr nur „welcher Hersteller“, sondern „welches Konzept passt zu unseren Kunden und unserer Positionierung“.
Neue Produkte unserer Lieferanten
Natürlich waren die Gespräche mit unseren bestehenden Lieferanten ein zentraler Teil der Messe. Neue Produktlinien, Verpackungsänderungen, kommende Launches — vieles davon entscheidet sich für uns als Händler bereits auf der Interzoo, bevor es in den Markt kommt. Diese Vorlaufzeit ist Gold wert. Wer die Messe nicht nutzt, reagiert später.
Technologische Innovationen
KI-gestützte Heimtierbetreuung war eines der spürbaren Trendthemen der Interzoo 2026. Von smarten Futterspendern über vernetzte Gesundheitsmonitoring-Produkte bis hin zu digitalen Lösungen für den Fachhandel selbst — die Branche denkt zunehmend technologisch. Ob und wie schnell diese Innovationen den Weg in den Alltag unserer Kunden finden, wird spannend zu beobachten sein. Für mich ist der Technische Wandel einer der aktuell spannensten Themen überhaupt.
Nachhaltige Produkte
Nachhaltigkeit war kein Randthema — sie war allgegenwärtig. Nachhaltigkeit stand bei der Interzoo 2026 klar im Mittelpunkt, von nachhaltigen Verpackungskonzepten über umweltschonende Produktionswege bis hin zu Futtern mit reduziertem ökologischen Fußabdruck. Ob das nur Marketing ist oder echte Substanz dahintersteckt — das ist die Frage, die wir als Händler für jede Marke individuell beantworten müssen. Ich bin da kritisch, aber offen.
Erfahrungsaustausch — unterschätzt, aber entscheidend
Was ich jedes Mal neu schätzen lerne: die Gespräche zwischen den Ständen. Mit Kollegen aus anderen Regionen, mit Marktbegleitern, mit Menschen, die dieselben Herausforderungen kennen wie ich — Personalthemen, Frequenzrückgänge, Onlinekonkurrenz, Kundenbindung.
Mehr als 110 Konferenz-Sessions und zahlreiche neue Formate boten Raum zum Vernetzen, Weiterbilden und für Geschäftsgespräche. Ich nutze diese Möglichkeiten bewusst — denn was ich von einem Gespräch mit einem erfahrenen Kollegen mitnehme, kann kein Vortrag ersetzen.
Wichtig ist hier nicht nur „Was habt ihr?“ abzufragen. Ich habe die Hersteller direkt vor Ort. Oft sind Fragen wie „Welche Marke läuft wo sehr gut?“ oder „Was sind eure Topseller“ viel aussagekräftiger.
Was bleibt
Die Interzoo 2026 hat bestätigt, was ich schon länger spüre: Die Heimtierbranche ist im Wandel. Der Kunde von heute ist informierter, anspruchsvoller und emotional stärker mit seinem Tier verbunden als je zuvor. Das ist eine Chance für den Fachhandel — wenn wir sie nutzen.
Als Regionalleiter nehme ich von dieser Messe nicht nur Produktideen mit. Ich nehme Orientierung mit. Ein klareres Bild davon, wohin die Reise geht — und was das für unsere Filialen, unser Sortiment und unser Team bedeutet.
Die nächste Interzoo findet 2028 in Nürnberg statt. Ich bin dabei.
Interresiert an einen Erfahrungsaustausch? Ich freue mich auf deine Meldung.
