Mit 21 Führungskraft — was ich damals nicht wusste
Es war ein ganz normaler Montagmorgen. Ich war 21 Jahre alt, stand vor meinem Team und war offiziell für eine komplette Abteilung einer bundesweit vertretenen Gartencenter-Kette verantwortlich. Personalverantwortung. Schichtplanung. Umsatzziele. Die Kollegen, die neben mir standen, waren teilweise doppelt so alt wie ich.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich gedacht habe: Ich muss jetzt zeigen, was ich kann. Alles.
Das war mein erster großer Fehler.

Der Trugschluss: Führen heißt Machen
In den ersten Wochen habe ich alles selbst erledigt. Regale aufgebaut, Bestellungen geprüft, Tiergehege neu eingerichtet — parallel zum Tagesgeschäft. Ich dachte, das sei Einsatz. Dass mein Team sehen würde, wie hart ich arbeite, und mich dafür respektieren würde.
Was ich nicht verstanden hatte: Mein Team wollte keinen Kollegen, der alles alleine macht. Sie wollten jemanden, der ihnen vertraut. Ein weiterer Punkt, war das ich ihn Ihren Bereichen agiert habe ohne zu Fragen. Schnell fühlte sich mein Team von mir nicht „mitgenommen“ und so entsteht auch kein Vertrauen.
Delegieren fühlt sich am Anfang wie Kontrollverlust an. Heute weiß ich: Es ist das Gegenteil. Wer nicht delegiert, wächst nicht — und sein Team auch nicht.
Was mich wirklich überrascht hat
Niemand hat mir gesagt, dass Vertrauen so lange braucht.
Ich hatte erwartet, dass mein Titel automatisch Autorität mitbringt. Aber Autorität ist keine Stellenbeschreibung — sie entsteht durch Konsequenz, durch Verlässlichkeit, durch hundert kleine Momente, in denen du zeigst: Ich meine es ernst, und ich meine es gut. Das dauert Monate. Manchmal länger.
Heute bin ich Regionalleiter im Zoofachhandel und verantwortlich für mehrere Standorte und ihre Führungskräfte. Und ich merke, wie ich in jungen Führungskräften manchmal mich selbst von damals erkenne — diesen Ehrgeiz, diese Ungeduld, diesen Wunsch, sofort alles richtig zu machen.
Was ich dir mitgeben möchte
Wenn du gerade am Anfang deiner Führungskarriere stehst, dann nimm dir diese drei Dinge mit:
Delegiere früh — und meine es ernst. Aufgaben abgeben bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, deinem Team zuzutrauen, dass es seinen Job kann.
Vertrauen ist kein Geschenk, es ist ein Prozess. Du wirst es nicht erzwingen können. Aber du kannst jeden Tag ein bisschen daran arbeiten — durch Ehrlichkeit, durch Verlässlichkeit, durch Interesse an den Menschen hinter den Aufgaben.
Deine Unerfahrenheit ist keine Schwäche. Sie ist ein Anlass für Neugier. Frag. Hör zu. Die erfahrensten Leute in deinem Team sind keine Konkurrenz — sie sind dein größtes Kapital. Sie bringen dich vorwärts. Es kann auch ein sehr befriedigendes Gefühl sein, wenn es dir gelingt einen anderen Menschen zu fördern und nach vorne zu bringen.
Mit 21 wusste ich das alles noch nicht. Aber ich bin froh, dass ich es lernen durfte — auf die harte Tour, mit echten Menschen, in echten Situationen.
Genau das ist es, was ich heute in meinen Seminaren und Trainings weitergebe: keine Theorie aus dem Lehrbuch, sondern Erfahrungen aus der Praxis.
Wenn dich das Thema interessiert oder du selbst gerade in einer ähnlichen Situation steckst — schreib mir gerne. Ich freue mich auf den Austausch.
